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05 Februar 2013

Kasturba - Konzertreise Indien

Kasturba - Konzertreise Indien

Nach einer längeren Vorbereitungsphase unternahmen wir mit dem Auswahlorchester `Umlimited Fields´ vom OÖ Landesmusikschulwerk im November 2012 eine Konzertreise nach Indien. Wir spielten drei Konzerte in Puna und ein Konzert in Bangalore.

Die Reise nach Indien war für das Orchester eine große künstlerische Herausforderung. Wien - Zürich, Zürich - Bombay und weiter mit dem Bus von Bombay nach Puna bis wir in die frühen Morgenstunden im Zentrum von Puna im Hotel ankamen. Nach zwei Nächten mit reisebdingt wenig Schlaf begann die Probenarbeit am 17.11 am frühen Vormittag. Wir hatten insgesamt vier gemeinsame Probentage mit dem Tanzensemble vor dem ersten Konzert in Puna zur verfügung. Dafür wurde ein Saal in einer Grundschule gemietet, was insofern ein sehr belebende Situation war, als dass in den Pausen Schulkinder um uns herum waren die in der Schulaula ihre Pausenzeiten verbrachten. Als Abschluss der Probenphase durften wir das gesamte Programm für die Kinder dieser Schule präsentieren.

Vor dem ersten Konzert fand eine vom `Nad Roop´ Institut organisierte Pressekonferenz statt. Beachtlich war das große Medieninteresse. Es kamen 30 Journalisten von unterschiedlichen Tageszeitungen die mit Interesse teilweise sehr sachkundige Fragen zur Produktion stellten.  


Die Musik alleine war eine für uns eine gut einschätzbare Aufgabe und durch die zeitintensive Probenarbeit wussten wir wo wir damit standen. Die Herausforderung lag vielmehr darin, die Choreographie in die 16 Tänzerinnen eingebunden sind mit unserer Musik zu koordinieren. Diese Koordinierung war für uns in Zusammenhang mit einem so großen Klangkörper Neuland und auch die Tänzerinnen haben in ihrer täglichen Arbeit kein Orchester zur Verfügung. Es wird sehr viel mit vorproduzierten Tonträgern gearbeitet. Vor allem wenn nicht mit den traditionellen kleinen kammermusikalisch gehaltenen Besetzungen gearbeitet wird (zB.: Tampura, Tabla und ein Melodieinstrument) sind die Möglichkeiten für live Musik zum Tanz in Indien sehr begrenzt. Bei den vorproduzierten Orchestertracks kann man sich gewiss darauf verlassen was nach dem Drücken auf `Play´ erwartet werden darf – mit Sicherheit keine Überraschungen wie sie dem live Betrieb eigen sind. Durch die kulturbedingten Unterschiede in den gemeinsam verwendeten Begrifflichkeiten in der Kommunikation über die Arbeit und auch der Wahrnehmung des Gehörten – dessen bin ich mir schon einige Jahre durch die Arbeit mit Shama Bhate bewusst – können genau dort wo man sie gar nicht vermutet verborgene Aufgaben warten.

Wenn man von ein paar wenigen krankheitsbedingten Spielunfähigkeitszuständen absieht verlief der Arbeitsprozess sehr Erfolgreich. Drei Konzerte fanden in Puna selbst statt und das vierte und letzte Konzert präsentierten wir in Bangalore in einem Kongresszentrum. Die Konzerte waren sehr gut besucht – zwei davon mit über 1200 Besuchern. Von Bangalore aus hatten wir einen internen Flug nach Bombay und nach einem 5 stündigen Aufenthalt konnten wir nach 12 Tagen Aufenthalt den Rückflug nach Wien über Zürich antreten. 

Puna ist eine Stadt mit (nach offiziellen Angaben) 5 Millionen Einwohner, die aufgrund eines extremen Wirtschaftswachstums aus allen Nähten platzt. Seit 1998 bin ich regelmäßig in Puna um am `Nad Roop´ Institut an gemeinsamen Projekten zu arbeiten. Die Geschwindigkeit in der die Stadt wächst, bemessen an den einmal/Jahr möglichen Momentaufnahmen, hat eine beängstigende Dimension. Dort wo vor einem Jahr noch weite Flächen mit Bäumen und wild wachsenden Wiesen mit weidenden Tieren waren stehen neue Gebäudereihen. Dies kenne ich auch von Bombay und Bangalore. Infrastrukturelle, städteplanerische Entwicklungen sind in den Bereichen in denen die öffentliche Hand Verantwortung hat nicht bemerkbar. Man hat den Eindruck, dass seit dem Abzug der Kolonialmacht keine Investitionen getätigt wurden was den Verkehr, Strom und Wasser betrifft. Wohingegen entlang der Stadtgrenzen ganze Stadtteile von privaten Industriellen erschlossen und neu aufgebaut werden. Um diese Areale werden Schutzwalle mit Security Checkin aufgebaut innerhalb derer versucht wird die eigentümlich interpretierten Ideale einer westlichen Welt nachzubauen. Dadurch wird an allen Ecken und Enden der industrialisierten Städte diese extreme Ungleichverteilung einer ungeheuerlich wirkenden wirtschaftlichen Wertschöpfung dieses Landes spürbar. 

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